EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) zählt heute zu den am besten wissenschaftlich untersuchten psychotherapeutischen Methoden. In den vergangenen Jahrzehnten wurden mehr kontrollierte klinische Studien zu EMDR durchgeführt als zu vielen anderen Therapieformen. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Wirksamkeit, insbesondere bei der Verarbeitung belastender und traumatischer Erfahrungen.
In Deutschland ist EMDR seit 2014 als Richtlinientherapie bei Traumafolgestörungen anerkannt und wird unter anderem auch in klinischen Einrichtungen eingesetzt. Aufgrund seiner Effektivität gehört EMDR inzwischen zum festen Bestandteil vieler verhaltenstherapeutisch, hypnotherapeutisch und integrativ arbeitender Praxen.
Anwendungsbereiche von EMDR
EMDR wirkt häufig vergleichsweise schnell und nachhaltig. Ursprünglich zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung entwickelt, wird die Methode heute auch erfolgreich bei zahlreichen weiteren Beschwerden eingesetzt, unter anderem bei:
- Angst- und Panikstörungen
- Phobien
- Prüfungs- und Leistungsangst
- psychosomatischen Beschwerden
- chronischen Schmerzzuständen
- Tinnitus
- Trauer- und Verlusterfahrungen
- Burnout und Erschöpfungszuständen
- belastenden Verhaltensmustern (z. B. Rauchen, ungünstiges Essverhalten)
Viele psychische Symptome haben ihren Ursprung in früheren emotional belastenden Erfahrungen, die nicht vollständig verarbeitet werden konnten.

Warum belastende Erfahrungen so lange wirken können
Sehr viele Menschen tragen – oft unbewusst – seelische Verletzungen in sich. Diese können durch Gewalt- oder Verlusterfahrungen, emotionale Vernachlässigung, Trennungserlebnisse oder entwertende Beziehungserfahrungen entstanden sein.
Solche Erlebnisse hinterlassen Spuren im emotionalen Gedächtnis und können sich später in Form von Ängsten, depressiven Verstimmungen, innerer Anspannung oder psychosomatischen Beschwerden zeigen.
Wie EMDR funktioniert
EMDR ist eine Therapieform zur Verarbeitung seelischer Verletzungen und emotional belastender Erfahrungen. Während der Sitzung werden gezielte, vom Therapeuten angeleitete Augenbewegungen eingesetzt.
Zwischen Augenbewegungen, emotionalem Gedächtnis und sensorischer Verarbeitung bestehen enge neuronale Verbindungen. EMDR nutzt diese Verknüpfungen, um belastende Erinnerungen neu zu verarbeiten, zu integrieren und ihre emotionale Überwältigung zu reduzieren.
Vereinfacht gesagt unterstützt EMDR das Gehirn dabei, das zu tun, was bei der ursprünglichen Erfahrung nicht möglich war:
Erinnerungen sinnvoll einzuordnen, zu verknüpfen und im Langzeitgedächtnis abzuspeichern, sodass sie die Gegenwart nicht länger dominieren.
Was passiert bei einem Trauma?
Der Begriff Trauma stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Verletzung“. Gemeint sind seelische Verletzungen, die entstehen, wenn Menschen Situationen ausgesetzt sind, die sie emotional überfordern.
Bei normalen Erfahrungen verarbeitet das Gehirn Sinneseindrücke, ordnet sie ein und speichert sie im Langzeitgedächtnis. Bei traumatischen Erlebnissen ist dieser Prozess gestört:
Die emotionale Überforderung führt dazu, dass das Gehirn auf archaische Schutzmechanismen wie Erstarren, Flucht oder Kampf zurückgreift. Die Erinnerung bleibt dabei unvollständig verarbeitet im emotionalen Gedächtnis gespeichert.
Mögliche Folgen von Traumatisierungen
Neben der Posttraumatischen Belastungsstörung können Traumatisierungen eine Vielzahl weiterer Symptome nach sich ziehen, unter anderem:
- Ängste und Vermeidungsverhalten
- depressive Verstimmungen
- Schlafstörungen
- emotionale Taubheit oder Übererregung
- psychosomatische Beschwerden
- Schwierigkeiten in Beziehungen
- Einschränkungen der Leistungsfähigkeit
Traumatische Erfahrungen können nahezu alle Lebensbereiche beeinflussen. Die gute Nachricht ist: Ein Trauma ist kein lebenslanges Schicksal. In vielen Fällen ist eine wirksame therapeutische Verarbeitung möglich.
EMDR macht aus einer belastenden Erinnerung keine „schöne“ – aber sie verliert häufig einen großen Teil ihrer emotionalen Macht.
Ablauf und therapeutischer Rahmen
Ob EMDR für Ihr Anliegen geeignet ist, wird in einem ausführlichen und vertrauensvollen Anamnesegespräch geklärt. Dabei besprechen wir Ihre Situation, Ihre Ziele und entscheiden gemeinsam, welche therapeutische Vorgehensweise sinnvoll ist.
Die Arbeit erfolgt in einem geschützten, sicheren Rahmen und in Ihrem individuellen Tempo.
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